Katholisches Krankenhaus St. Johann Nepomuk Erfurt Caritasverband Erfurt

Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Zeitungsbeitrag von Birgit Kummer in der Thüringer Allgemeinen vom 17. August 2011

Nachtschicht im Katholischen Krankenhaus mit Dr. Peter Krause

Dr. Peter Krause, Katholisches Krankenhaus Erfurt

Dr. Peter Krause im Nachtdienst in der Notfallambulanz im Katholischen Krankenhaus.
365 Tage rund um die Uhr ist ein Krankenhaus für Patienten da. Auch das Katholische Krankenhaus macht da natürlich keine Ausnahme.
Foto: Marco Schmidt

Der Doktor kommt direkt aus dem OP, ein Schenkelhalsbruch. In dieser Zeit hat ein Kollege seinen Dienst in der Notfallambulanz übernommen. Im Wartebereich sitzt eine Handvoll Patienten. Es ist Urlaubszeit und Dr. Peter Krause (36) hat in diesem Monat viele 24-Stunden-Dienste.

Windischholzhausen. Ein älterer Patient humpelt ins Behandlungszimmer, er ist umgeknickt, der Knöchel ist angeschwollen. Die Röntgenabteilung hat ein Bild gemacht, es erscheint wie von Geisterhand auf dem großen Bildschirm. Eine Gamasche wird angepasst, ein Schmerzmittel herausgesucht. "Hochlegen und kühlen", rät der Unfallchirurg und wünscht alles Gute. "Ich sage nicht Auf Wiedersehen."

Direkt vom Campingplatz Hohenfelden bringt ein Erfurter seine Frau ins Krankenhaus. Beim Spiel mit dem Enkel ist sie schwer gestürzt. Glücklicherweise ist nichts gebrochen. Der Fuß wird gekühlt, die Familie kann weiter campen. Der Doktor und die Schwestern sind ein eingespieltes Team. Der Ton ist freundlich, die Handgriffe sitzen. Für Jason, 9, gibt es erst einmal tröstende Worte. Er ist einen Tag vor dem Mallorca-Urlaub böse auf den Unterarm gefallen. Er wird mit Mama zum Röntgen geschickt.

Blutig sieht die Hand eines Baggerfahrers aus, der sich auf Splitt die Haut aufschnitt. Nach der Tetanusspritze wird die Hand genäht im Operationssaal gleich über dem Gang. Dr. Krause vermummt sich, alles wird steril abgedeckt, der Mann beißt die Zähne zusammen. Am Tag drauf wird er wieder arbeiten, obwohl die Hand Ruhe braucht. "Ich bin die Urlaubsvertretung für einen Kollegen, ich kann meine Leute nicht hängenlassen", meint er. Den Ambulanzbrief bekommt er gleich mit - wie alle Patienten, die nicht ins Krankenhaus ein gewiesen werden müssen.

Es fällt im Nachtdienst viel Schreibkram an. Trotzdem schaut der Arzt nicht zu oft auf den Bildschirm, sondern seinen Patienten ins Gesicht. Er weiß den Namen noch, wenn sie das zweite Mal nach dem Röntgen hereinkommen. Jason strahlt, er kann trotz Blessur in den Urlaub fahren. Der Doktor ist ruhig, konzentriert, freundlich. Das ist gut gegen die Angst der Leute, die vor ihm sitzen. "Ich führe mir stets vor Augen, wie ich mich selbst fühlen würde", sagt er.

Peter Krause wollte nach dem Abitur Architekt werden. Doch den Zivildienst leistete er in einer geschlossenen Psychiatrie. "Ich fand es gut, nah dran zu sein an Menschen." Zwei Jahre war der junge Mann anschließend unterwegs, rund um den Globus, mit kleinem Budget. Nur die Antarktis hat er ausgelassen. "Ich habe auf dieser Reise gelernt, dass es gut ist in Deutschland", lächelt er. Peter Krause hat nicht Architektur studiert, sondern Medizin in Mainz, Jena und Montpellier. Er entschied sich für Orthopädie und Chirurgie. "Diese Fachrichtungen haben großen Nutzen für die Patienten. Die Tätigkeit als Arzt ist sehr vielseitig." Dazu kommt die Arbeit in einem großen Team, wie er sie mag - als Stationsarzt, im OP, in der Unfallambulanz. "Hände, Füße und die entsprechenden Gelenke sind die Klassiker." Auch Schnittwunden, Bauch- und Rückenschmerzen, Insektenstiche und vieles mehr.

Es ist mittlerweile halb elf. Eine Frau ist die Treppe hinuntergestürzt, die Verletzung hat eingeblutet in die Muskulatur, aber sie ist kein Bruch. Die Patientin ist erleichtert. "Wiedervorstellung Ende der Woche", schreibt der Doktor in den Computer. "Die gesetzliche Unfallversicherung in Deutschland ist ein großer Luxus", sagt er. Ein junger Mann ist mit dem Moped gestürzt, die Maschine Schrott und er todunglücklich. Die Blessuren werden verpflastert.

Auf dem Röntgenbild einer alten Dame, die als nächste hereinkommt, zeigt sich ein früherer Bruch. Eine Schiene wird angepasst, sie kann wieder nach Hause und strahlt. "Haben Sie jemanden, der sich kümmert?" Diese Frage stellt der Arzt mehrfach an diesem Abend.

Von Schmerzen gepeinigt ist ein hochbetagter Herr nach einem schweren Sturz. Der ASB hat ihn im Rettungswagen gebracht. "Luxation im Fingergelenk", sagt der Unfallchirurg. Er muss das Gelenk wieder einrenken. Das tut sehr weh. Dann ist eine kurze Operation fällig, um die lädierten Finger in Ordnung zu bringen. Der Samariterbund fährt den Mann heim, während die nächste Patientin ins Zimmer tritt. Sie hat Schmerzen im Arm und Angst vor einem Infarkt. Der Doktor kann sie beruhigen, nachdem auch alle Laborwerte gecheckt sind.

Mit Kopfschmerz und Übelkeit kommt ein junger Mann in die Ambulanz. Dr. Krause würde ihn eine Nacht im Krankenhaus behalten, doch er will lieber nach Hause. Er verspricht dem Arzt, sich zu melden, sollten sich gesundheitliche Probleme verstärken.

Es ist abends halb zwölf, als sich die Truppe auf einen Kaffee zusammensetzt, das Wartezimmer ist leer. Ein Ausnahmefall. Kurz darauf sind zwei Betrunkene zu verarzten: Eine Frau ist in eine Glasplatte gefallen und muss genäht werden. Ein Mann blutet nach einer Prügelei. Alltag in der Ambulanz.

Mit freundlicher Genehmigung durch Thüringer Allgemeine
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