Bischof em. Dr. Joachim Wanke bei der Grundsteinlegung zum KKH-Neubau im Jahr 2000
Bischof em. Dr. Joachim Wanke weiht den KKH-Neubau zur Eröffnung im Jahr 2003
Schlüsselübergabe am Tag der Eröffnung des KKH-Neubaus (hier mit Geschäftsführer Jürgen Wehlisch, rechts)
Bischof em. Dr. Joachim Wanke bei einem Rundgang durch die OP-Säle des KKH-Neubaus im Jahr 2003 (hier unter anderem mit Dietrich Hagemann, damals Bürgermeister der Stadt Erfurt, Mitte)
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Bischof em. Dr. Joachim Wanke prägte das Katholische Kranken­haus über Jahrzehnte mit großer Weitsicht

„Wir wollen für dich sein.“ Diese Worte von Bischof em. Dr. Joachim Wanke aus seiner Ansprache zur Einweihung des Neubaus des Katho­lischen Kranken­hauses „St. Johann Nepomuk“ Erfurt im Jahr 2003 spiegeln seine tief verwurzelte Überzeugung wider, dass medizinische Ver­sor­gung weit über das bloße Heilen von Krankheiten hinausgeht. Sie ist auch ein Dienst am Menschen, der in seiner Würde und seiner individuellen Lebensgeschichte gesehen wird. Diese Haltung prägte seine langjährige und engagierte Arbeit für das Kranken­haus, das er über Jahrzehnte hinweg begleitet und mitgestaltet hat.

Jahrzehntelanges Engagement für das Katholische Kranken­haus

Die enge Verbindung von Bischof Wanke zum Katho­lischen Kranken­haus Erfurt beginnt 1981, als er den Vorsitz des Kuratoriums übernimmt und damit die Nachfolge von Bischof Hugo Aufderbeck antritt. Schon zu dieser Zeit zeigt sich seine tiefe Verbundenheit zur Einrichtung, die für ihn nicht nur ein medizinisches Zentrum sondern auch ein Ort der christlichen Nächstenliebe und der Fürsorge ist. 

Die wichtigste Weichenstellung für die Zukunft des Hauses erfolgt ab den frühen 1990er Jahren, als der damalige Standort des Kranken­hauses zunehmend nicht mehr den modernen Anforderungen gerecht wird.
Bereits kurz nach der Wende, als sich die Rahmenbedingungen für die gesundheitliche Ver­sor­gung in Erfurt und Thüringen grundlegend ändern, werden erste Überlegungen angestellt, wie das Kranken­haus zukunftsfähig gemacht werden kann. Anfangs steht die Idee, das bestehende Kranken­haus mit einem Neubau eines weiteren Bettenhauses westlich der Puschkinstraße zu modernisieren. Doch von diesem Plan wird man bald Abstand nehmen. 

Der schwierige Entscheidungsprozess und der Neubau

Am 16. Juni 1994 trifft der Träger des Katho­lischen Kranken­hauses eine wichtige Entscheidung, die maßgeblich durch Bischof Wanke begleitet wird: Nachdem bereits Fördermittel durch das Land Thüringen für den Neubau eines Bettenhauses bereitgestellt wurden, wird entschieden, diese zurückzugeben und stattdessen einen Antrag auf den Bau eines völlig neuen Kranken­hauses an einem alternativen Standort zu stellen. Diese Entscheidung wird nicht leichtfertig getroffen, denn sie bedeutet, den traditionellen – und in der Innenstadt verankerten – Ort zu verlassen und sich auf ein ambitioniertes und kostenintensives Projekt einzulassen.

Bischof Wanke unterstützt die Entscheidung, weil er das langfristige Ziel klar vor Augen hat: Ein Kranken­haus, das den wachsenden Anforderungen einer modernen Gesundheitsversorgung gerecht werden kann und gleichzeitig als Ort der christlichen Nächstenliebe und der menschlichen Zuwendung den Menschen zur Seite steht. Der gesamte Entscheidungsprozess ist von sorgfältiger Überlegung und Diskussion geprägt. Es dauert noch sechs Jahre, bis schließlich am 4. Mai 2000, dem 59. Geburtstag Bischof Wankes, der erste Spatenstich für den Neubau im Erfurter Südosten erfolgt.

Dieses Unterfangen war nicht nur finanziell und infrastrukturell herausfordernd, sondern auch spirituell und menschlich. Stets mit dem Blick auf das Wohl der Patien­tinnen und Patienten, stellt Bischof Wanke sicher, dass das Kranken­haus seine Mission als christliche Institution nie aus den Augen verliert. 
In seinem Vorwort für das Buch zum 275. Jubiläum schreibt er: „Über die fachlichen Leistungen hinaus, die im Kranken­haus erbracht werden, möchte ich den kaum verrechenbaren Einsatz so vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Hauses für eine gute mitmenschliche Atmosphäre im Alltag des Kranken­hausbetriebes hervorheben. Dass Patienten ehrlichen Herzens sagen: ‚Hier in diesem Haus fühle ich mich gut aufgehoben!‘, ‚Hier weiß ich mich als Mensch angenommen und gut betreut!‘ – das gehört zu den kostbaren Erfahrungen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Hauses machen können. Das entschädigt dann auch für so manchen Stress, den ein moderner Kranken­hausalltag allen Mitarbeitenden abfordert. Es wäre mein Wunsch, dass diese ‚Kultur der Aufmerksamkeit‘ für die Patienten, nicht nur für ihre spezielle Erkrankung, sondern auch für ihre Lebenssituation insgesamt, weiterhin die Arbeitsweise unseres Hauses bestimmt“. Damit betont er die Werte, die das Kranken­haus aus seiner Sicht auszeichnen sollten.

Der Neubau und die Einweihung – Ein Symbol für Wandel und Beständigkeit

Der Neubau des Katho­lischen Kranken­hauses wird am 22. August 2003 feierlich eingeweiht. Der Umzug vom historischen Standort in der Innenstadt an den Stadtrand ist eine der größten Heraus­forderungen in der Geschichte des Hauses, aber auch ein Symbol für den Aufbruch in eine neue Ära. Der Neubau ist modern und funktional, und Wanke zeigt sich bei der Einweihung zuversichtlich, dass das Kranken­haus auch an diesem neuen Standort seine hohe Qualität in der medizinischen Ver­sor­gung und in der Patientenbetreuung beibehalten wird. „Es ist nicht selbstverständlich, ein auf ‚die grüne Wiese gebautes‘ neues Kranken­haus einweihen zu können…, mein Dank gilt auch und vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Hauses. Sie haben die Last und Mühe der letzten Jahre im alten Bau getragen – und geduldig auf diese Stunde mitgehofft.“

Ein weiteres zentrales Anliegen von Bischof Wanke ist die stetige Erweiterung des medizinischen Angebots des Kranken­hauses. So setzt er sich früh dafür ein, dass das Katholische Kranken­haus eine geburtshilfliche Station erhält, um hier nicht nur kranke Menschen zu behandeln, sondern auch Kindern das Leben zu schenken. Diese Vision wird 2003 mit der Eröffnung der Geburtshilfe als Teil der gynäkologischen Klinik umgesetzt.

Palliativstation und weitere Meilensteine

Neben der Geburtshilfe liegt Bischof Wanke auch die Palliativmedizin am Herzen. Bereits 1996 weiht er die erste Palliativstation in Thüringen ein und betont dabei, dass es nicht nur um die Heilung von Krankheiten gehe, sondern auch um die Begleitung von Patienten in ihrer letzten Lebensphase. Damit bringt er das ethische und christliche Anliegen des Kranken­hauses zum Ausdruck.

Das Erbe von Bischof Wanke

Bischof Wanke leitet das Kuratorium bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2012. Auch nach seinem Rückzug aus dem aktiven kirchlichen Dienst bleibt er dem Kranken­haus weiterhin verbunden. Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Weinrich weiß: „Auch in seinem Ruhestand lag ihm das Wohl des KKH und dessen Patienten bis zuletzt am Herzen.“ Die Worte zeigen, wie tief Bischof Wanke mit dem Kranken­haus und seiner Aufgabe verwoben war.

Die „Kultur der Aufmerksamkeit“, die er 2010 anlässlich des 275. Jubiläums des Hauses formuliert, bleibt ein Leitprinzip des Katho­lischen Kranken­hauses Erfurt. Diese Kultur der persönlichen Zuwendung zu den Patien­tinnen und Patienten, die das Kranken­haus als einen Ort der Hoffnung und Nächstenliebe versteht, wird auch weiterhin das Handeln des Hauses prägen.

Bischof em. Dr. Joachim Wanke hinterlässt ein bedeutendes Erbe. Er hat das Katholische Kranken­haus Erfurt nicht nur durch seine Leitung und seine Vision geprägt, sondern auch durch seine tief verwurzelte christliche Haltung, die den Menschen in seiner ganzen Würde und seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt. Für ihn war das Kranken­haus nie nur ein Ort der medizinischen Ver­sor­gung, sondern ein Ort, an dem die christliche Nächstenliebe in der Praxis lebendig wurde.

Am 12. März 2026 verstarb Bischof em. Dr. Joachim Wanke auf der Palliativstation.